Nach 45 Jahren wiedergelesen:

Horst Eberhard Richter: “Alle reden vom Frieden - Versuch einer paradoxen Intervention"
 

Im Oktober 1981 – einer ebenfalls sehr angespannten Zeit zwischen Ost und West im Vorfeld der Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen und Marschflugkörper in Westeuropa – veröffentlichte der im Jahre 2011 verstorbene Arzt und Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter ein Buch, das sich erstmals systematisch mit der sozialpsychologischen Seite von Wettrüsten und Kriegsgefahr auseinandersetzte. Der Band „Alle redeten vom Frieden – Versuch einer paradoxen Intervention“ war nicht akademisch gehalten. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, präsentierte Richter seine Analyse des Rüstungswahnsinns (ein mittlerweile völlig aus der Mode gekommenes Wort) in Gestalt einer Science-Fiction-Geschichte.

Mit dem Kunstgriff der Konstruktion eines blockübergreifenden Agentenclubs interpretierte Richter die Logik der wechselseitigen Aufrüstung als gemeinsames ‚Spiel‘, in das die beiden verfeindeten Blöcke – damals NATO und Warschauer Pakt – verstrickt waren und das sie wechselseitig koordiniert in einem Prozess kumulativer Radikalisierung bis an die Schwelle des Unvorstellbaren vorantrieben.

Horst Eberhard Richter gründete später, im Februar 1982 in Frankfurt, die deutsche Sektion der "Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs, IPPNW.
Besonders wichtig war ihm, dass die neue Organisation basisdemokratisch arbeitet und eng mit den bestehenden Ärzteinitiativen der Friedensbewegung verbunden blieb. Er prägte die politische und ethische Ausrichtung der deutschen IPPNW von Anfang an entscheidend mit. 
 

Nachzulesen in: NachDenkSeiten. Die kritische website


IPPNW-Pressemitteilung vom 27. Mai 2026

Friedensnobelpreisträgerorganisation fordert Ende der diplomatischen Blockade
 

Die Friedensorganisation IPPNW fordert von der Bundesregierung ein Ende der diplomatischen Blockade und die Ernennung eines Sondergesandten für die Ukraine und Russland. Erst kürzlich hat die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel von Europa mehr diplomatische Anstrengungen zur Unterstützung der Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland gefordert. Sie halte es für nicht ausreichend, wenn nur US-Präsident Trump den Kontakt zu Russland halte und bedauere es, dass Europa sein diplomatisches Potential nicht ausreichend einsetze.

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IPPNW Regionalgruppen Dortmund, Bochum, Essen

Offener Brief an den Herrn Militärbischof Franz-Josef Overbeck

 

Sehr geehrter Herr Bischof Overbeck,

wir wenden uns an Sie als Ortsgruppierungen der IPPNW („Internationale Ärztinnen und Ärzte zur Verhinderung eines Atomkriegs“), einer politisch neutralen, weltweiten Ärzteorganisation, Trägerin des Friedensnobelpreises 1985.

Als Regionalgruppen aus dem Ruhrgebiet (teils durchaus auch mit katholischen Mitgliedern) fühlen wir uns aufgerufen, zu Ihrer Rede vom 3.5.2026 Stellung zu nehmen.
Wir sind höchst erstaunt über Ihre dort erhobene Forderung nach einer dringlich einzurichtenden Wehrpflicht für alle. Dabei mögen wir nicht glauben, dass es sich bei dem von Ihnen gewählten Zeitpunkt um einen Zufall handelt, vielmehr scheint Ihr Aufruf im Sinne eines „Hirtenbriefs“ an die junge Generation zu verstehen zu sein. Angesichts des Gewissenskonflikts, in dem sich z. Zt. sicherlich viele junge Leute befinden, entspricht die Rede geradezu einer Empfehlung, mit dem Segen der Kirche Soldat oder Soldatin zu werden. 
(Die Alternative eines Zivildienstes ergibt sich dann nur als Nebeneffekt der Wehrpflicht.)

Dies begründen Sie mit militärischen Notwendigkeiten (feindliche Bedrohungen, Einsatz in der Straße von Hormus, Aufbau einer Armee mit 260 000 Personen).
Wächst denn einem Militärbischof mit dem Amt eine solche Kompetenz in geopolitischen Militär- und Rekrutierungsfragen zu? Bisher haben wir stattdessengeglaubt, dass sich ein Militärbischof in erster Linie um das Seelenheil und das Befinden von Armeeangehörigen kümmert.

Vor allem vermissen wir einen vordringlichen Aufruf zu verstärkten Friedensbemühungen und ein Ende der gigantischen Rüstungsspirale; darin sind wir uns z.B. mit Pax Christi und insbesondere auch Papst Leo XIV. einig. 
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Nach nur wenigen Tagen, am 19.05.2026, erhielten wir im Namen von Bischof Overbeck auf unseren unseren offenen Brief folgende Antworten, die wir hier mit Dank veröffentlichen:

Antwort von Generalvikar Artur Wagner, Essen, hier 

Antwort von Dr. theol. Daniel Bugiel, Büroleiter des Bischofshauses, Essen, hier


 

Die IPPNW solidarisierte sich mit den Schülern und Schülerinnen, die am 08. Mai 2026 unter dem Motto „Nie wieder Wehrpflicht! Nie wieder Krieg“ auf die Straße gingen. mehr

Die Grußadresse von Dr. Ingrid Farzin, IPPNW-Regionalgruppe Bochum, hier.


Erklärung der IPPNW zur
Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland
 

Am 10. Juli 2024 haben die Regierungen der USA und Deutschlands am Rande des NATO-Gipfels in Washington in einer bilateralen Erklärung angekündigt, ab 2026 weitreichende landgestützte US-Waffensysteme in Deutschland zu stationieren. Diese Waffen können selbst mit den vorgesehenen konventionellen Sprengköpfen eine hohe Sprengkraft entfalten und mit minimalen Vorwarnzeiten ihre Ziele weit in Russland treffen.

Es handelt sich um 
1. Raketen vom Typ Standard Missile (SM)-6: Sie dienen in der Regel der Luft-/ Raketenabwehr und sind lenkbar. Die moderne Version, die in Deutschland stationiert werden soll, ist jedoch für den Einsatz gegen Ziele am Boden umgerüstet. Sie fliegt mit über fünffacher Schallgeschwindigkeit, die mutmaßliche Reichweite wird mit 1.600 Kilometern angegeben.
2 Landgestützte Marschflugkörper des Typ Tomahawk: Sie sind „Land-Attack Cruise Missiles“, die sich zur Bekämpfung von Landzielen eignen und tief in gegnerisches Territorium eindringen können, um Bunker, Radaranlagen, Raketensilos oder Kommandoposten zu zerstören. Die Reichweite der bodengestützten Tomahawks wird mit 1.700 – 2.500 Kilometern angegeben.
3 Die Hyperschallwaffe Dark Eagle: Sie befindet sich nach dem Wortlaut der bilateralen Erklärung „derzeit in der Entwicklung“. Die USA werden die neuen Waffensysteme im Rahmen ihrer „Multi-Domain Task Force“ (MDTF) in Deutschland stationieren, gemäß der bilateralen Erklärung zunächst zeitweilig ab 2026, „als Teil der Planung zu deren künftger dauerhafter Stationierung“. Wie viele dieser Waffen kommen und wo genau sie stationiert werden, ist noch nicht bekannt. 

Ernstzunehmende „Fähigkeitslücke“?
Die Bundesregierung spricht von einer „Fähigkeitslücke der Europäer“, die zu schließen sei. Russland besitzt tatsächlich ein breites Spektrum von Kurz- und Mittelstreckenraketen, Hyperschallwaffen und Marschflugkörpern. 

Die Atomkriegsgefahr steigt –  auch bei konventionellen Erstschlagwaffen

Darum spricht sich die IPPNW vehement gegen eine Stationierung von Mittelstreckenwaffen in Europa und in Deutschland aus. 

Zur Begründung: hier 

 

UPDATE nach dem 3. Mai 2026: 

Was bedeutet die Stationierungsplanung und was die aktuelle Infragestellung der Planung durch Präsident Trump?

 

Neue Atomraketen sollen nach aktueller Planung nicht in Deutschland stationiert werden. Allerdings sieht die nukleare Teilhabe der NATO weiterhin vor, dass die bisher in Deutschland stationierten, alten Atombomben durch die neuen B61-12 Atomwaffen ersetzt werden. 

Die jetzt zunächst von Donald Trump ausgesetzte Stationierung der neuen konventionellen Waffensysteme bedeutet keinesfalls den Verzicht auf diese Waffensysteme. Im Gegenteil. Die ohnehin angespannte Situation wird durch die angekündigte Rücknahme der Stationierung der US-Waffensysteme in Deutschland weiter verschärft. 

Geradezu hektisch werden nun eigene deutsche Rüstungsprogramme gefordert:
So urteilte am Wochenende (2. Mai) Nico Lange, bis 2022 Leiter des Leitungsstabs im Verteidigungsministerium und heute für mehrere einflussreiche Denkfabriken tätig: Man habe gegen „Raketen aus Kaliningrad, die uns bedrohen“, eine „Gegenbedrohung“ gesucht; die habe man letztlich „aus Amerika bekommen“ wollen, bekomme sie „jetzt aber nicht“. (tagesschau). Die Mittelstreckenwaffen seien als „zentrale[s] Element“ der Aufrüstung gegen Russland eingestuft worden, mit dem es möglich geworden wäre, russische „Kommandozentralen auszuschalten“, wird Christian Mölling zitiert, Ex-Forschungsvizedirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), der aktuell die neue Denkfabrik Edina (European defence in a new age) aufbaut. („Die Amerikaner reduzieren damit ihre eigene Sicherheit“. zdfheute.de 02.05.2026). Würden sie nicht stationiert, befinde man sich „in einer ziemlich schwierigen Situation“.
Die jetzt vorangetriebenen Pläne zur Stationierung von US-Mittelstreckenraketen beziehen sich aktuell vor allem auf Tomahawk-Marschflugkörper und SM-6-Flugabwehrraketen, die nun von Deutschland selbst beschafft werden sollen, so die Forderung an Verteidigungsminister Pistorius.

Mehrere europäische Staaten haben bereits mit der Entwicklung eigener weitreichender Präzisionsbewaffnung begonnen. Der European Long Range Strike Approach (ELSA) wird allerdings noch eine Weile brauchen. Deshalb planen mehrere Länder, auch Deutschland, als Übergangslösung eine Ersatzbeschaffung für die Tomahawk-Marschflugkörpern der USA.

Alle diese Bemühungen erhöhen das nukleare Risiko. Bei allen diesen Plänen geht es um Präzisions-Waffen, die weit im Hinterland Kommandozentralen, Raketenbunker und Flugabwehr-Einrichtungen treffen und ausschalten können Die Gefahr eines Atomkriegs (auch aus Versehen oder nach dem Prinzip use them or loose them) würde weiterhin bei Krisen mit Zeit-/Entscheidungsdruck im Raum stehen - und das alles mit der Absicht “eine Verteidigungslücke zu schleißen” zu wollen. 


Aktuell gibt es keine verlässliche Nachricht darüber, ob Donald Trump im Herbst die Lieferung von US-Mittelstreckenraketen nach Deutschland tatsächlich blockieren wird oder gar endgültig ablehnt.

 


 

IPPNW auf der Münchener Sicherheitskonferenz MSC

Dr. med. Inga Blum ist Ärztin bei Hamburg und Co-Präsidentin der Internationalen Ärztinnen und Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) sowie  Mitglied der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN). 
2026 war sie vom 12.–15. Februar 2026 für den Verein „Münchner Sicherheitskonferenz verändern“ Beobachterin bei der MSC.

Hier ist ihr Bericht “Rüstung statt Regeln”


 

Der 5. Februar 2026 - ein wichtiges Datum für die internationale Sicherheit

Am 5. Februar läuft der New-START-Vertrag aus. Damit endet der letzte verbliebene verbindliche Rüstungskontrollvertrag zwischen den USA und Russland. Mit dem Auslaufen von New START können Russland und die USA zum ersten Mal seit 1972 wieder ungebremst nuklear aufrüsten – eine Eskalationsspirale mit globalen Auswirkungen droht.
Der New-START-Vertrag begrenzt seit 2011 die Zahl strategischer Atomwaffen und ihrer Trägersysteme der USA und Russlands. Er legt Obergrenzen für einsatzbereite Atomsprengköpfe sowie für Interkontinentalraketen, U-Boot-gestützte Raketen und strategische Bomber fest. Darüber hinaus enthält er wichtige Transparenz- und Verifikationsmechanismen wie Datenaustausch und gegenseitige Inspektionen. 
Mit dem Auslaufen des Vertrags entfallen diese rechtlich verbindlichen Begrenzungen. Die beiden Staaten mit den größten Atomwaffenarsenalen der Welt sind dann nicht mehr verpflichtet, Umfang und Zusammensetzung ihrer strategischen Nuklearstreitkräfte zu begrenzen oder transparent zu machen. Das erhöht das Risiko von Fehleinschätzungen, Eskalationen und neuer Aufrüstung.

Längst ist klar, dass atomare Aufrüstung zu nichts anderem führt als zu weiterer, auch atomarer Eskalation, bei welchem Gegner auch immer. Das Reden auch in Deutschland, durch “Beteiligung an einem atomaren Schutzschirm der NATO” oder gar durch eigene Atombewaffnung, gegen alle unterzeichneten Verträge (!), eine Sicherheitslücke schließen zu müssen, ist nichts anderes als die Flucht vor paranoischer Bedrohungsangst zu genau dem, was befürchtet: Immer mehr Waffen.   

Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen ICAN fordert Moskau und Washington daher auf, sich weiterhin an New START zu halten, bis ein neuer Vertrag in Kraft tritt.

Mehr Informationen und zur Unterstützung dieses Anliegens: hier


 

Massenvernichtungswaffen im Namen der Kirche?

Stellungnahme der IPPNW zur Friedensdenkschrift 2025
der Evangelischen Kirche in Deutschland

hier

 


 

Vor fünf Jahren, am 22. Januar 2021 trat der Atomwaffenverbotsvertrag (AVV) in Kraft.

Als völkerrechtsverbindiche Vereinbarung der UNO verbietet er die Entwicklung, Produktion, Test, Erwerb, Lagerung, Transport, Stationierung und Einsatz von Kernwaffen, ebenso die Drohung damit.
95 Staaten haben den Vertrag inzwischen unterzeichnet. Die Atommächte sind nicht dabei, auch Deutschland nicht.

Neben anderen Organisationen begleitet das Städtebündnis der Mayors for Peace, zu dem auch Bochum gehört, die Entstehung des Vertrages und wirbt für den Beitritt weiterer Staaten, auch Deutschlands. Aus Anlass des 5. Jahrestages des Inkrafttretens des AVV würdigt Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay als Vizepräsident und für Hannover als Lead City der Mayors for Peace in einer Videobotschaft die Rolle des Vertrages und betont den Auftrag, der damit für das Bündnis verbunden ist. hier

Auch wir als Bochumer Regionalgruppe der IPPNW fordern die Bundesregierung auf, dem AVV beizutreten. 

Atomwaffen gefährden unsere Sicherheit, sie dienen nicht unserer Sicherheit! 


 

Leserbrief der IPPNW Gruppen Dortmund, Bochum und Essen an die "Hausärztliche Praxis"

Die IPPNW-Gruppen Dortmund, Bochum und Essen wenden sich mit einem Leserbrief an die Zeitschrift Hausärztliche Praxis, in dem sie Bemühungen widersprechen, die Hausärztlichen Praxis für den Kriegsfall “resilienter” zu machen.  hier


 

IPPNW-Pressemitteilung vom 21.11.2025 zum 28-Punkte-Plan zum Ukrainekrieg:

Die Politik der militärischen Konfrontation muss endlich beendet werden

Die Friedensorganisation IPPNW sieht den US-Plan zur Beendigung des Ukrainekrieges als Grundlage zu Verhandlungen für einen Waffenstillstand in der Ukraine, damit das Töten, das unermessliche Leid und die Zerstörung endlich ein Ende haben. Allerdings bleibt abzuwarten, ob der einseitig diktierte Vorschlag der US-Regierung zu direkten Gesprächen zwischen den Kriegsparteien führen wird. Für eine nachhaltige tragfähige Friedenslösung ist die Beteiligung der Ukraine und Europas sowie der UN notwendig. Es braucht UN-Sicherheitsgarantien für die Ukraine, es braucht Aufarbeitung von Kriegsverbrechen und Versöhnung statt Amnestie.

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